2021: Zwischen Hoffen und Bangen

Das Speedway-Sportjahr 2021 war einmal mehr geprägt von der Corona-Pandemie. Trotzdem konnten fast alle Prädikatsrennen durchgeführt werden. Sowohl die Verbände, Veranstalter wie auch die Vereine und Fahrer zeigten sich größtenteils flexibel und so sind einige mit „einem mehr oder wenigem blauen Auge“ davongekommen.

 

Nachdem der Speedway Grand Prix an Pfingsten in Teterow der Pandemie „zum Opfer fiel“, fand die Eliteserie gänzlich ohne deutsche Beteiligung statt. Im kommenden Jahr an Pfingsten (4./5. Juni 2022) wird ein erneuter Versuch unternommen. Sportlich gesehen war die Weltmeisterschaft fest in der Hand der Aktiven aus dem Osten. So wurde der Russe Artem Laguta vor dem Titelverteidiger Bartosz Zmarzlik (Polen) neuer Weltmeister. Dritter wurde Lagutas Landsmann Emil Sayfudinov vor dem Schweden Fredrik Lindgren. Insgesamt wurden elf Rennen gefahren, wobei in Prag (Tschechien) und in Wroclaw, Lublin sowie Torun (alle Polen) Doppelveranstaltungen durchgeführt werden mussten. Im nächsten Jahr sind zwölf Renntermine ausgeschrieben, darunter auch ein Rennen im russischen Togliatti sowie zum Saisonabschluss ein Meetining in Australien, wo aber der Austragungsort noch nicht benannt ist. So wie es derzeit ausschaut, hat ein deutscher Fahrer lediglich beim GP in Teterow die Chance als Wildcard-Fahrer des Veranstalters ans Startband zu rollen. Martin Smolinski hatte die Chance sich zu qualifizieren, doch er scheiterte ganz knapp bei der Challenge im slowakischen Zarnovica.

 

Dass Deutschland auf der internationalen Bühne derzeit höchstens nur die „zweite oder dritte Geige spielt“ wurde auch bei den Speedway of Nations World Championships (SON) bestätigt. Im zweiten Semifinale im lettischen Daugavpils reichte es für Kai Huckenbeck (22 Punkte), Norick Blödorn (5) und Valentin Grobauer (0) nur zum undankbaren vierten Platz mit 27 Gesamtpunkten. Das war zu wenig um die Franzosen, die 30 Punkte einfuhren, zu schlagen. Es ist jetzt müßig darüber zu spekulieren, was bei der Mannschaftsmeldung (Smolinksi kurzfristig verletzt) bei der Suche nach einem Ersatzfahrer schief gelaufen ist. Ob es Teamchef „Peppi“ Rudolph oder der Fachausschuss des DMSB war: von einer Glanzleistung kann man keinesfalls sprechen, die da geboten wurde. Sieger des Wettbewerbs wurde in Manchester doch etwas überraschend das Team aus Großbritannien vor Polen, Dänemark und Australien. Für das Jahr 2022 gibt es eine kleine Änderung: Jedes der 15 Länder, die in zwei Halbfinals antreten, können jetzt drei „Seniorenfahrer“ melden. Und die ersten drei Teams jedes Semifinales qualifizieren sich für das Finale in Esbjerg, wo Gastgeber Dänemark als Veranstalter Ende Juli gesetzt ist.

 

Bei den Europameisterschaften (SEC) war mit Kai Huckenbeck zumindest ein deutscher Fahrer bei der vier Rennen umfassende Serie im Teilnehmerfeld. Allerdings bedurfte es schon einer permanenten Wildcard von der FIM Europe. Der Emsländer zog sich achtbar aus der Affäre und belegte mit 26 Punkten den neunten Platz. Europameister wurde der Däne Mikkel Michelsen mit 53 Punkten vor seinem Landsmann Leon Madsen (51). Mit dem Titel des Europameister hat sich Michelsen auch für die Speedway-Grand-Prix-Serie qualifizieren können. Der Kampf um den dritten Platz war eine rein polnische Angelegenheit. Patryk Dudek setzte sich mit 46 Punkten vor dem punktgleichen Piotr Pawlicki durch. Die vier Rennen fanden in Güstrow sowie in den polnischen Städten Bydgoszsz, Gdansk und Rybnik statt. Die vier Austragungsorte für das Jahr 2022 sind noch nicht endgültig fixiert. Auf deutschem Boden findet jedenfalls am 30. April die Qualifikationsrunde 1 im Paul-Greifzu-Stadion in Stralsund statt.

 

Das größte Sorgenkind war wieder einmal mehr die Bundesliga. Seit Jahren kommt die Eliteserie des deutschen Speedways einfach nicht in die Gänge. In diesem Jahr kam es nur zu einem Rennen, das am 25. September in Güstrow stattgefunden hat. Hier setzten sich die Brokstedt Wikinger mit 43 Punkten knapp vor dem AC Landshut (41) durch. Den dritten Platz sicherten sich die Güstrow Torros (31) vor den Nordsternen aus Stralsund (29). Sicherlich hat die Corona-Pandemie vieles erschwert, dennoch wäre mehr möglich gewesen.

 


Wie es trotzdem gehen kann zeigte der Wettbewerb im Speedway Teamcup (STC). Alle sieben Rennen konnten durchgeführt werden und als „Zuckerl“ für die Fans gab es oben drauf noch einen Livestream, für Diejenigen, die nicht anreisen konnten oder durften, Den spannenden Kampf um die Meisterschaft gewann der MSC Olching (10 Matchpunkte) , der am letzten Renntag im heimischen Stadion die DMV White Tigers (8) mit 46:44 Laufpunkten auf Distanz hielt. Dritter wurden die Black Forest Eagles (7) aus Berghaupten vor den Cloppenburg Fighters (6).

 

Was Martin Smolinski national noch zu leisten vermag, zeigte der Bayer am 14. August bei der Deutschen Meisterschaft, als er seinen achten Titel einfahren konnte. Zweiter wurde Kai Huckenbeck vor Norick Blödorn und Michael Härtel. In den Top Ten waren noch Kevin Wölbert (5.), Erik Riss (6.), Tobias Buch (7.), Valentin Grobauer (8.), Lukas Fienhage (9.) und Lukas Baumann (10.).

 

Beim DMSB Speedway Paarcup, der am 24. Juli in Abensberg ausgetragen wurde, nahmen sieben Mannschaften teil. Auch hier zeigte “Altmeister” Smolinski seine Klasse. Mit 24 Punkten war er der beste Fahrer. Das reichte jedoch nur zum dritten Platz, denn Mario Niedermeier (3) und Maximilian Troidl (2) konnten nur fünf Punkte zum Gesamtergebnis von 27 Punkten beitragen. Meister wurden die Herxheim Drifters, die mit Erik Riss (19), Lukas Fienhage (13) und Erik Bachhuber (6) 38 Punkte einfuhren. Die Vizemeisterschaft holten sich die Trans MF Devils des AC Landshut, die in der Besetzung Michael Härtel (14), Valentin Grobauer (12) und Norick Blödorn (10) auf insgesamt 36 Punkte kamen. Den vierten Platz mit 27 Punkten belegten die Güstrow Torros mit Lukas Baumann (17) und Fraser Bowes (10). Fünfter wurde der MC Meissen (24) vor den Nordsternen aus Stralsund (23) und den Frison Lions des MSC Moorwinkelsdamm mit 12 Punkten.

Ein Silberstreif am düsteren deutschen Speedway-Horizont war sicherlich die Premiere der Deutschen German Speedway Masters (GSM). Rund 4.000 Zuschauer auf dem Dohrener Eichenring waren Zeuge eines großartigen Rennens wo die 17 Fahrer aus vier Nationen am 9. Oktober ein spannendes Spektakel boten. Jakub Jamrog aus Polen gewann das Masters mit 19 Punkten vor dem Dänen Matias Nielsen (16). Auf dem dritten Platz fuhr Kai Huckenbeck (13) vor Lukas Baumann (10). Doch nicht nur im Einzel wurden die Punkte gezählt, es gab auch eine Wertung für die Mannschaften. Max Dilger und Matias Nielsen siegten für die Black Forest Eagles des MSC Berghaupten (27) vor dem MSC Olching (21), für die Jakub Jamrog und Erich Bachhuber fuhren. Dritter wurde der MSC Vier Tore Neubrandenburg (19) für die Michael Härtel und der Tscheche Vaclav Milik unterwegs waren. Der MSC Dohren mit Kai Huckenbeck und dem US-Boy Luke Becker verpassten mit 18 Punkten nur knapp das Podest. Bleibt zu hoffen, dass dieses neue Format im Jahr 2022 seine Fortsetzung findet. Der Auftakt in Dohren machte jedenfalls Appetit auf mehr.

 

©Niklas Breu

Resümierend war 2021 kein gutes Jahr, wäre da nicht der AC Landshut. Die Trans MF Landshut Devils aus Niederbayern sorgten für das Glanzlicht des deutschen Speedways. Das Team sorgte sowohl in der heimischen One Solar-Arena wie auch bei den Auswärtsrennen in der zweiten polnischen Liga für die Farbtupfer. In der Premieren-Saison holten sie sich die Meisterschaft und haben den Aufstieg in die eWinner 1. Liga (erste polnische Liga) geschafft – eine faustdicke Überraschung. Am Ende waren es fünf Punkte Vorsprung, die die Meisterschaft von Teamchef Bernd Muggenthaler und den Teammanagern Slawomir Kryjom und Klaus Zwerschina gegenüber dem Team Kolejarz Opole bedeuteten. Auch für das Jahr 2022 haben die Landshuter wieder eine starke Mannschaft. Angeführt von Kapitän Martin Smolinski, dem fulminanten Franzosen Dimitri Berge, dem starken Kai Huckenbeck, Michael Härtel, werden sie auch eine Liga höher eine starke Mannschaft stellen. Mit den Verpflichtungen von Erik Riss und dem dänischen Nachwuchs-Star Mads Hansen hat sich der ACL bis jetzt prominent verstärkt. Darüber hinaus haben sie mit Erik Bachhuber einen guten deutschen U21-Nachwuchsfahrer engagiert. Das erste Rennen findet Anfang April gegen Abramczyk Polonia Bydgoszcz in Landshut statt.

 

In der gleichen polnischen Liga waren auch die Wölfe aus Wittstock/Dosse unterwegs. Doch leider kamen die Brandenburger nicht über die Rolle eines Punktlieferanten hinaus und konnten keinen Sieg einfahren. Nach unbestätigten Meldungen sollen die Wittstocker für das Jahr 2022 keine Lizenz für die zweite polnischer Liga erhalten. Wie es auf dem Heidering im kommenden Jahr weitergeht steht noch in den Sternen. Sicherlich werden wieder offene Speedwayrennen stattfinden – immerhin sind es im Juni dann 10 Jahre her, als Fritz und Frank Mauer nach fünf Jahren Pause dem Heidering wieder Leben einhauchten.

Beitrag von: Wolfgang Geiler

2 Antworten

  1. Chris sagt:

    Klasse Resümee, toller Bericht. Wünsche Euch einen Guten Rutsch und alles Gute für 2022. Macht weiter so, ist eine interessante Seite für alle Bahnsport-Fans

    • Bahnsport-Info sagt:

      Moin Chris.

      Herzlichen Dank für das positive Feedback!
      Die Wünsche für das Jahr 2022 geben wir gerne zurück!

      Holger, Bahnsport-Info

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